Sefimaus

Josefa Wölki * Sefimaus

Sefimaus war meine Patentante und hieß mit vollem Namen Josefa Wölki. Als sie kurz nach dem 2. Weltkrieg in Köln eine Lehrstelle antrat, wurde im Betrieb dann daraus das "Wölkchen". Einige Wochen nach ihrem Tod vor 2 Jahren standen mein Mann und ich abends auf dem Balkon unseres Hauses in San Salvador als ein rosa Abendwölkchen sich am Himmel kräuselte. Wir wußten beide gleich: es war unser Wölkchen. Leicht und luftig schwebte es dahin und war frei. Im Leben war sie sooft gefangen gewesen in einem Käfig aus tiefer Traurigkeit. Heute frage ich mich, ob wir sie jemals verstanden haben oder uns auch nur genügend bemüht haben, sie zu verstehen, wenn sie in ihrem Gefängnis fest saß. Sefi hat es uns leicht gemacht über ihre Nöte hinwegzusehen; denn sie war so lieb, besonders zu ihrem Patenkind, das sie beschützt hat und das nur zu piepsen brauchte, um einen Wunsch erfüllt zu bekommen. Sie war tüchtig in ihrem Beruf; ich habe sie als Kind bewundert. Auch konnte sie in geselliger Runde fröhlich sein.
Heute jedoch will ich eine Geschichte erzählen, in der sich ihr trauriger Wesenszug widerspiegelt. Gleichzeitig finde ich diese Geschichte auch komisch, was sicherlich kein Widerspruch ist. Ich habe die Begebenheit nicht miterlebt, weil meine Tante selber noch ein Kind und ich noch gar nicht geboren war. Ich kenne die Geschichte also nur aus den Erzählungen meiner Großmutter und ihrer beiden Schwestern, wovon eine meine Mutter ist.
Die Familie Wölki, Mutter, Vater und drei Töchter, lebte als der 2. Weltkrieg ausbrach in Köln. Da nun Köln eine der Städte war, die schon sehr früh bombardiert wurden, existierte für die Kinder ein Programm, die sogenannte „KinderLandVerschickung", im Zuge dessen sie an weniger gefährdeten ländlichen Orten bei Pflegefamilien untergebracht werden konnten. Wie man sich leicht vorstellen kann, gelang es nicht, alle drei Kinder, die damals wohl so 12 oder 13 Jahre alt waren, in ein und derselben Familie unterzubringen. Dies wohl wissend war Sefi schon beim Abschied von den Eltern tieftraurig; sie fühlte sich verlassen. In der Gastheimat lebte sie zwar mit ihrem Zwilling, meiner Tante Erika, in derselben Ortschaft, was aber letztendlich wenig half, sie aus ihrer Traurigkeit zu erlösen. Eines Tages gelang es meiner Großmutter trotz der Kriegswirren, ihre Kinder zu besuchen. Beim Nahen der Rückreise wurde Sefi immer trauriger. Als sie die Mutter dann zum Bahnhof begleitete, hatte sie nur noch das Gefühl wieder verlassen zu werden. Sie sah in dem Aufenthalt auf dem Lande nicht den Schutz für sich und ihr Leben, sondern nur das Verlassenwerden von Menschen, die sie liebte. Sie war einsam und traurig. Der Weg führte an einer Viehkoppel vorbei, auf der Kühe weideten. Eine von ihnen stand dicht am Zaun, glotzte und mahlte auf ihrem Futter herum. Sefi sagte beim Anblick des dickfelligen, Zufriedenheit ausstrahlenden Tieres: "Ich wünschte, ich wäre eine Kuh" und fing wieder an zu weinen.

Petra


Unserer "InterNett-Sefi"
gewidmet von ihrer Mutter Maria (Omimaus oder Oschi) und
Schwester Erika (Eri oder Ekächen)

Den Tod unserer lieben Sefi verkraften wir nie.
Ein kleiner Trost für uns ist der folgende:
"Ein lieber Mensch stirbt nie, er ist uns nur vorausgegangen."

Mutter Maria und Schwester Erika


Aus der Unendlichkeit, da kam ein Wesen
und ging dahin, als wär' es nie gewesen.
In mancher stillen Stunde,
Gedanken machen da die Runde:
Wieso, wozu hat man zu leben?
Nur um dem Schöpfer zu gefallen
und welchem Schöpfer denn, von allen?
Man nennt sich Christ,
doch könnt nun mancher sagen:
Das ist ja Heidenglauben,
wie in alten Göttertagen.
Eins ist gewiß, in jedem Falle,
daß ein „Nirwana" wartet auf uns alle.
Nur eine Frage, die wäre schön:
Ob wir uns da mal wiederseh'n?

Schwester Irma

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